10. März 2010 - PR 24/2010
Frankfurt am Main / München, 10. März 2010 – Der deutsche Halbleitermarkt wächst in diesem Jahr voraussichtlich um 13 Prozent auf knapp acht Milliarden Euro. Dr. Ulrich Schaefer, Vorsitzender der Fachgruppe Halbleiter Bauelemente im ZVEI-Fachverband Electronic Components and Systems, erläuterte, das Wachstum werde gestützt durch einen Umsatzanstieg von 15 Prozent bei Diskrete Bauelemente, Opto-Halbleiter und Sensoren/Aktuatoren sowie von zwölf Prozent bei IC.
Im vergangenen Jahr war der Halbleitermarkt um 24,6 Prozent auf knapp sieben Mrd. Euro zurückgegangen. Als Ursache nennt der Marktexperte Schaefer den weltweiten Nachfrageeinbruch im Automobil- sowie Industriesegment, hervorgerufen durch die Weltwirtschaftskrise. Auf Dollar-Basis betrug der Umsatzrückgang minus 30 Prozent.
Weltweit beziffert die Branche den Umsatzrückgang im Jahr 2009 um neun Prozent auf etwas über 226 Milliarden Dollar. Im laufenden Jahr erwartet Schaefer ein zweistelliges Umsatzwachstum mit Halbleiter-Bauelementen um 18 Prozent auf circa 267 Milliarden Dollar, womit der maximale Umsatz der Branche im Jahr 2007 von knapp über 255 Milliarden Dollar schon im Jahr 2010 übertroffen wird. Diese Entwicklung werde nahezu gleich von den Segmenten ICs mit 18 Prozent, Opto-Halbleiter mit 18 Prozent sowie Diskrete Bauelemente mit 17 Prozent verursacht. Einzig der Bereich Sensoren/Aktuatoren werde mit einer Umsatzzunahme von knapp einem Drittel weltweit überdurchschnittlich stark wachsen.
„Der Absatz von ICs liegt nach dem stärksten Einbruch der Geschichte des globalen Halbleitermarktes von Oktober 2008 bis März 2009 – und dem folgenden stärksten Wachstum der Geschichte des Halbleitermarktes seit März 2009 – wieder auf dem langfristigen Wachstum der Stückzahlen von 9 Prozent pro Jahr", so Schaefer.
In Deutschland reduzierte sich 2009 der Umsatz bei den Produktsegmenten ‚Diskrete Bauelemente, Opto-Halbleiter und Sensoren/Aktuatoren’ um 18,5 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro, nach einer Stagnation im Jahr 2008. Für das Jahr 2010 wird ein Umsatzwachstum für diesen Bereich von 15 Prozent erwartet. Mit einem Umsatzrückgang von 26,4 Prozent verzeichneten die ICs im Jahr 2009 auch in Deutschland einen sehr starken Absatzeinbruch. Für 2010 erwartet der ZVEI für diese ein Umsatzwachstum von 12 Prozent.
Automobilelektronik trotz Umsatzeinbruchs stärkstes Segment in Deutschland
„Aufgrund der Weltwirtschaftskrise hat sich die Entwicklung im Abnehmersegment Automotive im Jahr 2009 stark verschlechtert“, berichtet Schaefer. Der Umsatz ging 2009 um 31 Prozent zurück. „Die Ursache hierfür ist wie auch schon im Vorjahr die weltweit stark gesunkene Nachfrage nach Neufahrzeugen.“ Die sogenannte Abwrackprämie konnte hierbei noch Schlimmeres verhindern. Durch diese vergrößerte sich jedoch der Klein- und Mini-Kraftfahrzeuge-Marktanteil mit geringerem Umsatz und Elektronikanteil pro Fahrzeug, wohingegen die größeren Fahrzeugklassen Marktanteile verloren haben. Hierdurch hat sich der Automotive-Marktanteil in Deutschland um drei Prozentpunkte auf 35 Prozent verringert. „Trotzdem muss deutlich herausgestellt werden, dass das Automotive-Segment in Deutschland in den letzten 12 Jahren mit 14 Prozent Wachstum des Marktanteiles am stärksten hinzugewonnen hat."
Einen ebenfalls starken Umsatzeinbruch von 21 Prozent verzeichnet für 2009 die Datentechnik, nach einem ähnlich starken Einbruch von 17 Prozent im Vorjahr. Trotz dieses Einbruches gewinnt diese einen Marktanteil von einem Prozentpunkt und liegt nun bei 30 Prozent. Gleichermaßen hat die Industrieelektronik – trotz einer Reduzierung des Umsatzes in 2009 von ebenfalls 21 Prozent – ihren Marktanteil um einen Prozentpunkt auf 21 Prozent gesteigert. Der Marktanteil des Segments Kommunikation ist in 2009 mit bei einem Umsatzrückgang von 20 Prozent von zehn auf elf Prozent gestiegen. Die trotz der starken Umsatzreduzierung gewonnenen Marktanteile der Segmente Datentechnik, Industrieelektronik sowie Kommunikation basieren dabei hauptsächlich auf dem extremen Umsatzeinbruch im Automotive-Bereich. Die Konsumelektronik behält trotz eines Umsatzverlustes von 20 Prozent ihren Marktanteil von drei Prozent.
Die oben genannten Zahlen zeigen, dass weiterhin die Bereiche Automotive, Datentechnik und Industrieelektronik die drei Stützpfeiler des deutschen Halbleitermarktes darstellen. Das Kommunikationssegment, einer der früheren Stützpfeiler, verliert hingegen immer mehr an Bedeutung. Trotz des sehr starken Markteinbruchs bleibt die Automobilelektronik mit 35 Prozent Marktanteil das stärkste Segment in Deutschland. Die Datentechnik als zweitstärkster Bereich liegt in den letzten 12 Jahren nahezu konstant bei circa 30 Prozent Marktanteil. Der Marktanteil des dritten Stützpfeilers Industrieelektronik ist im gleichen Zeitraum um acht Prozentpunkte auf 21 Prozent gestiegen. Im Gegensatz hierzu hat die Kommunikationstechnik mit einem Marktanteil von heute elf Prozent in den letzten zwölf Jahren 18 Prozentpunkte abgegeben. Abgeschlagen auf den letzten Platz kommt die Konsumelektronik mit drei Prozent Marktanteil.
Alle Produktsegmente nahezu gleichermaßen verantwortlich für Umsatzabnahme des Weltmarkts
Zur Umsatzentwicklung des Welthalbleitermarkts hat im Jahr 2009 insbesondere die Abnahme des IC-Bedarfs um 8,8 Prozent auf etwas mehr als 226 Milliarden Dollar beigetragen. Dies entspricht einem Umsatzverlust von etwas mehr als 22 Milliarden Dollar. „Auch die Segmente Sensoren/Aktuatoren haben einen Umsatzverlust von 7,0 Prozent auf einen Umsatz von 4,8 Milliarden Dollar, die Opto-Halbleiter von 4,8 Prozent auf 17 Milliarden Dollar und die Diskreten Bauelemente von sogar 16,3 Prozent auf 14,2 Milliarden Dollar hinnehmen müssen", berichtet Schaefer.
Für 2010 prognostiziert der ZVEI für den weltweiten Halbleitermarkt ein Wachstum von knapp einem Fünftel auf circa 267 Milliarden Dollar Umsatz. Dabei erwartet die Branche bei ICs und Opto-Halbleitern eine Zunahme von jeweils 18 Prozent und bei den Diskreten Bauelementen von 17 Prozent. Für die Sensoren/Aktuatoren wird sogar ein Wachstum von 31 Prozent erwartet.
Die Aufteilung nach Marktsegmenten zeigt für den Welthalbleitermarkt 2009, dass die Datentechnik mit 42 Prozent Marktanteil auch weiterhin nahezu jeden zweiten Halbleiter verbraucht hat. Es folgen die Kommunikationstechnik mit einem Anteil von 22 Prozent und die Konsumelektronik mit einem Anteil von 19 Prozent. Der Anteil der Automobilelektronik ist aufgrund des sehr großen Umsatzrückgangs von 20 Prozent auf einen Marktanteil von sieben Prozent gesunken. Mit einem Umsatzverlust von acht Prozent bleibt der Marktanteil der Industriesparte bei zehn Prozent konstant.
China verbraucht rund ein Viertel der weltweiten Halbleiterproduktion
„Die regionale Verteilung der Marktanteile blieb weltweit nahezu unverändert. Es wird jedoch deutlich, dass die Erholung in den verschiedenen Regionen nicht zum gleichen Zeitpunkt gestartet ist. Mit der Erholung begonnen hat Amerika, wo auch die Krise zuerst zu spüren war, als nächstes folgt die Erholung in Asien und zuletzt in Europa und Japan“, erläutert Schaefer. Die Regionen Amerika und Japan besitzen einen nahezu gleichgroßen Marktanteil, wohingegen Europa den schwächsten Marktanteil besitzt. Die Region Asien/Pazifik behält ihren Platz als umsatzstärkste Region mit über 50 Prozent Marktanteil. Dabei besaß China im Jahr 2009 einen größeren Mikroelektronikbedarf als Amerika, Japan oder Europa und verarbeitet inzwischen rund ein Viertel der weltweiten Halbleiterproduktion zu elektronischen Geräten.
Unterdurchschnittliches Wachstum in Europa
Der europäische Markt ist im Jahr 2009 mit minus 21,9 Prozent nicht ganz so stark wie der deutsche Markt geschrumpft. Der Rückgang in Europa fällt damit mehr als doppelt so stark aus, wie auf dem Welthalbleitermarkt mit minus neun Prozent. Die Abnahme betrug bei ICs 21,7 Prozent, bei Opto-Halbleitern 20,2 Prozent und bei Sensoren/Aktuatoren 18,1 Prozent. Noch stärker sind die Umsätze bei Diskreten Bauelementen mit 28,2 Prozent eingebrochen. „Für 2010 wird sich der europäische Halbleitermarkt mit einem Umsatzwachstum um 19 Prozent auf knapp 36 Milliarden Dollar erholen, wobei das Erreichen des maximalen Umsatzwertes von 2007 noch einige Zeit dauern wird.“, so Schaefer.
Trotz einer Umsatzverringerung von 18 Prozent im Jahr 2009 stellte in Europa die Datentechnik mit 33 Prozent das größte Marktsegment dar. Der Automotive-Bereich gibt mit einem Umsatzverlust von 23 Prozent und einem Marktanteil von 20 Prozent seinen zweiten Platz an die Kommunikationstechnik ab und fällt auf den dritten Platz zurück. Somit belegt die Kommunikationstechnik bei einem Umsatzrückgang von 18 Prozent und einem resultierenden Marktanteil von 21 Prozent jetzt den zweiten Platz. Die Industrieelektronik, mit einem Umsatzrückgang von 26 Prozent, hält ihren Marktanteil bei 17 Prozent konstant. Den geringsten Marktanteil besitzt die Konsumelektronik mit neun Prozent, wobei diese mit einem Umsatzverlust von 33 Prozent einen Prozentpunkt Marktanteil verloren hat.
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